Dr. Hikmat Al-Sabty

Hikmat Al-Sabty

Sohn einer Goldschmiedfamilie, geboren im Jahr 1954 im südirakischen Nassiriah. Der genaue Geburtstag ist leider nicht bekannt, da meine analphabetischen Eltern mich erst ein Paar Wochen nach meiner Geburt im Amt registrieren ließen. Im Registerbüro wurde entweder 1. Januar oder 1. Juli als Geburtsdatum notiert. Das war eine gängige Praxis in meinem Ursprungsland „Irak“.

 

Zur Schulzeit beschäftigte ich mich mit der tiefen Kluft zwischen  Arm und Reich in meinem reichen Irak. Mein bester Freund und Nachbar „Saadi“ war arm, ich hingegen verhältnismäßig reich. Ich und er hatten uns einer von der Regierungspartei verbotenen sozialistischen Schülerorganisation angeschlossen. So wurde mir im Laufe der Zeit klar, warum ein großer Teil der irakischen Bevölkerung arm und analphabetisch gehalten wurden.

 

Auch zu Uni-Zeit in Sulaimanije (Nordirak) verstärkte ich mein Engagement für gerechtes Studieren, für Meinungsfreiheit der Andersdenkenden, für Frauenrechte und die Pressefreiheit. Das Baath-Regime hat uns mit eisener Faust bekämpft. Angelegenheiten wie z. B. den internationalen Frauen- und den Weltfriedenstag hatten wir im Untergrund organisiert und gefeiert.

 

Ich befand mich im September 1980 im Urlaub in der Türkei, als der Krieg gegen den benachbarten Iran ausbrach. Da es zwischen der DDR und Irak keine Visumpflicht gab, war es mir als überzeugter Sozialist lieber, in die DDR zu flüchten und dort Asyl zu finden. Im November des gleichen Jahres landete ich am Schönefelder Flughafen. Der Grenzbeamte riet mir, mit der S-Bahn in den westlichen Teil Berlins zu fahren, dort könnte ich um Asyl bitten. Und so landete ich bei dem „Klassenfeind“, wo ich mir mit vier Asylbewerbern ein Zimmer teilte.

 

Meine sozialistische Einstellung hatte sich nicht verändert. Ich engagierte mich in den sozialistischen Gruppen der Uni Göttingen. Nach der Wende, im September 1992, zog ich mit meiner Frau und unserem frisch geborenen Sohn „Samy“  zuerst nach Güstrow und ein Jahr später nach Rostock-Lichtenhagen.

 

Ich sympathisierte mit der PDS und habe mich mehr mit sozialen Fragen, dem Frieden und der Migrationspolitik beschäftigt. Dadurch hat sich mein Glaube an eine friedliche und gerechte Gesellschaft gestärkt und ich fand im Laufe der Zeit mein politisches Zuhause bei der LINKEN.

 

Ich bin seit September 2011 Mitglied des Landtages und kämpfe mit meinen Genossinnen und Genossen für eine gerechte Gesellschaft, die ökologisch verantwortungsbewusst, friedlich und frei von  Fremdenhass ist.

Wir kämpfen für eine Bildung, die unabhängig vom Geldbeutel der Eltern ist. Auch die Wissenschaft und Forschung müssen unabhängig von Finanzierungen und Interessenpolitik der Großunternehmen sein.

Ebenso müssen die Kommunen finanziell so stak sein, dass sie ihre Aufgaben ohne sozialen Abbau verwirklichen können, zum Beispiel in den Bereichen Jugendarbeit und Kultur.

 

Meine Fraktion und ich treten für eine offene Gestaltung der Migrationspolitik und die Rahmenbedingungen für Zugewanderte ein. Dazu gehören die Unterbringung, die Sprache, Kita, Schule und Anerkennung der Qualifizierungen von ausländischen Fachkräften.